„Die Kinder der Zeit“ von Adrian Tchaikovsky

  • Autor: Adrian Tchaikovsky
  • Taschenbuch: 672 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (12. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch

Die letzten Menschen haben eine sterbende Erde verlassen, um in den Tiefen des Alls ein neues Zuhause zu finden. Als sie auf den Planeten Eden stoßen, scheint ihnen das Glück sicher: ideale Konditionen und eine florierende Ökosphäre. Doch was sie nicht wissen – es waren bereits Menschen hier gewesen, vor langer Zeit. Menschen, die Eden als Versuchsplaneten für ein vermessenes Projekt künstlicher Evolution ausersehen hatten. Doch ihr Experiment damals hat ungeahnte Spuren hinterlassen, und nun treffen ihre Nachfahren auf die vergessenen Kinder ihres Versuchs. Wer von ihnen wird das Erbe von Eden antreten?

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Ich bin ein bekennender SiFi Fan. Ich liebe es fremde Welten, Rassen, Denkweisen und Ansichten zu erkunden und mag Visionen der Zukunft in jeder Hinsicht. Ob Dystopie oder Utopie, technische Errungenschaften, medizinische Wunder oder soziale Umschichtungen, alles ist willkommen das Sinn macht. Doch gestaltet es sich mit wachsender Erfahrung zunehmend schwieriger Geschichten mit einem tragfähigen, visionären Konzept zu finden und aus dem Fundus an teils auch wirklich miesen, stupiden und klischeehaften Geschichten zu bergen.

Wie ein guter Archäologe kehrte ich auf meiner immerwährenden Suche nach lesenswerten Kleinoden vorsichtig die schlechten von den guten Rezensionen ab, grub mich behutsam immer weiter durch Empfehlungen. Schicht für Schicht tastete ich mich durch meine unterschiedliche Quellen und landete (wie so manch anderes mal zuvor) bei der Science Fiction & Fantasy Rundschau auf derStandard.at. Hier fand ich schon so manches Meisterstück und wurde vor einigen Rohrkrepierern gewarnt. Vorbeischauen lohnt sich hier immer, auch wenn dadurch die Länge so mancher Merkzettel ins unermessliche wächst.

Ich las die Rezensionen und blieb bei einem Werk hängen. Raumschiffe, fremde Welten, Evolution einer neuen Rasse. Das hörte sich ja nicht schlecht an.

„Die Kinder der Zeit“ von Adrian Tchaikovsky sollte es dieses mal werden.

Als Hörbuch zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar (inzwischen hat sich das geändert –
siehe hier), lud ich mir das Buch auf meinen E-Reader. Ich muss gestehen das mich hierbei ein leichter Unmut und Ekel befiel, da es sich laut Beschreibung um einen Roman handelte, in dessen Mittelpunkt Spinnen standen. Als bekennender Arachnophobiker sind diese Geschöpfe grundlegend keine Freunde von mir und schon bei dem bloßen Gedanken an die behaarten Killer aktiviert mein Körper archaische Verteidigungsmodi.

Zu meiner Überraschung hat sich durch diesen Roman sogar meine Sicht auf die Achtbeiner von hysterischer Panik zu vorsichtigem, ekeligem Respekt geändert.

Das Werk selbst ist ein fürs erste abgeschlossenes Epos (habe erst jetzt bemerkt, dass es sich scheinbar um den ersten Teil einer Serie handelt?!), dass seinesgleichen sucht. Über Jahrzehnte gesponnen breitet die Geschichte die von Menschen induzierte Evolution einer ganzen Rasse vor uns dar, auch wenn das wie bei Menschen so oft, nicht ganz die gewünschte Richtung nimmt.

Den Leser erwartet ein rasantes, Generationen übergreifendes Sammelsurium an Ideen. Einerseits begleiten wir Menschen im Generationenschiff Gilgamensch, die auf dem Weg zu einem (hoffentlich) terraformten Planeten sind und kaum angekommen mit einer bitteren Realität konfrontiert werden, die einen größeren und längeren Umweg erforderlich macht.
Hierbei wird die Geschichte aus der Sicht des immer wieder in Tiefschlaf versetzten Historikers Holsten erzählt, der durch schlafbedingte Zeitsprünge an der Generationen übergreifenden Entwicklung der Menschheit auf dem Schiff teilnimmt.

In einem zweiten Strang begleiten wir die hochmütige Wissenschaftlerin und Leiterin des Evolutions-Projekts Avrane Kern auf ihrer ganz eigenen Reise die unter anderem die durchaus problembehaftete Verschmelzung mit einer KI beinhaltet.

Und schlussendlich werden wir parallel auf die rasante Fahrt durch die Evolution der Spinnen und Lebewesen auf ihrem Planeten mitgenommen. Diese Teile waren für mich die Highlights der Geschichte. Faszinierend wie der Autor die Eigenheiten der unterschiedlichen Lebewesen aufgreift und in die Entwicklung der ursprünglichen Tiere einwebt. Diese wird über Generationen geschildert, präsentiert sich vollkommen logisch, durchdacht und derart auf die betroffenen Lebewesen abgestimmt, dass es mich nicht wundern würde, wenn geschriebenes irgendwo im Universum Realität wäre. Unglaublich wie der Autor die Fähigkeiten und Lebensweise der Insekten aufgreift und kontinuierlich weiterentwickelt. Spannend erzählt und in sich schlüssig begleiten wir die Spinnen mittels wechselnder Protagonisten von Generation zu Generation und betrachten staunend ihre wachsende Welt bis es zu dem unausweichlichen Zusammentreffen mit den Menschen kommt.

Eine klare Empfehlung für alle Forscher, Entdecker und Abenteurer unter uns die etwas Besonderes suchen. Eine Perle der aktuellen SiFi-Welt die übrigens seit kurzem auch als Hörbuch verfügbar ist!

Lesen, staunen und die nächste Spinne am Leben lassen. Vielleicht ist sie der Urururururopa des Nachbars deiner Urururururenkel.

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